ALM-Forum 2014 – Tag 2

header (2)Gestern ging es im ALM-Forum in Seattle ähnlich spektakulär weiter wie gestern. Die Highlights waren auf jeden Fall die Eröffnungs-Keynote des Scrum-Vaters Ken Schwaber und die Abschluss-Keynote von Steve Denning. Die beiden Speaker wussten mit Fragen „Wie ist der Erfolg von agilen Techniken messbar“ und „Wie kann traditionelles Management von Agile überzeugt werden“ das Publikum zu unterhalten.

Die erste Keynote des Tags wurde von Ken Schwaber, dem (Mit-)Erfinder von Scrum, gehalten. Schwaber versuchte in seiner Keynote „The State of Agile“ der Frage nachzugehen, wie der Erfolg von agilen Methoden und Praktiken gemessen werden kann.alm-forum2_ken

Dass agile Frameworks wie Scrum oder Kanban positiven Einfluss auf Unternehmensprozesse haben, ist  mittlerweile in der Software-Branche bekannt. In einer Umfrage im Jahr 2013 konnte Foerster Research sogar feststellen, dass agile Unternehmen erfolgreicher komplexe Software entwickeln können und mehr Geld verdienen als jene, die nach herkömmlichen nicht-agilen Prinzipien arbeiten.

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Aber die große Frage, der Ken Schwaber nun nach mehr als zehn Jahren Scrum nachzugehen versucht, ist, wie kann der Erfolg von agilen Praktiken belegt werden, ohne sich nur auf Vermutungen zu verlassen? Was ist der unmittelbare Beweist dafür, wie agil sein wirkt?

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Schwaber untersucht derzeit mit einen Ansatz, der sich „Evidence-Based Management“ nennt, den Erfolg von Scrum messbar zu machen. Er versucht damit herauszufinden, welchen tatsächlichen Einfluss agile Prinzipien auf die Softwareentwicklung ausüben.

Evidence-Based Management
Evidenzbasiertes Management ist am ehesten mit Beweisgestützte Unternehmensführung übersetzbar und tritt grundsätzlich dafür ein, Management-Praktiken in sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Befunden zu verankern und formale Rückblicke und Evaluationen auf Handlungen oder Ereignisse als zwingende Grundlage für weiteres Handeln anzusehen. Quelle: wikipedia 

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Wollen wir hoffen, dass er uns bald Beweise vorlegen kann. Vielleicht schon beim nächsten ALM-Forum.

Ein beeindruckenden Vortrag über „Principles and Practices of Continuous Deployment” hielt Mike Brittain, Director of Engineering bei Etsy. Etsy ist eine e-Commerce Plattform für den An- und Verkauf von handgemachten Produkten. Bei Etsy wird jede Änderung, die in einem erfolgreichen Build endet, in das Produktivsystem ausgeliefert. Was dann auch mal zur Folge haben kann, dass pro Tag mehr als 30 Deployments durchgeführt werden.alm-forum2_deploy

Etsy erreicht das durch eine sehr durchdachte Release-Pipeline und die Verwendung von Configuration Flags. So wird z.B. nur in einer perfekten Kopie der Produktivumgebung jede Änderung getestet und Configuration Flags ermöglichen das Freischalten oder Abschalten von Features in der Produktivumgebung.

Die Art und Weise wie bei Etsy Software entwickelt und ausgeliefert wird, ist voll und ganz auf den Deployment-Prozess zugeschnitten. Denn das Einzige was für Etsy zählt, ist die Lauffähigkeit ihrer Webseite und die Reaktionszeit, um Bug-Fixes in das Produktivsystem einzuspielen.

Bevor der Tag durch eine hervorragende Abschluss-Keynote von Steve Denning beendet wurde, konnte ich eine weitere Bird-of-a-feather Session (HOF) zum Thema „Fundamentals of Lean Software Delivery“ besuchen. Und ich muss sagen, diese persönliche und interaktive Art ein Thema zu besprechen, finde ich wirklich genial. Zuerst stellten sich alle Teilnehmer vor und teilten ihre Erwartungen an die BOF-Session mit. Diese Erwartungen und die aufkommenden Fragen wurden dann auf ein Whiteboard geschrieben und von der Gruppe gemeinsam diskutiert.

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Birds-of-a-feather Session sind wirklich eine super Möglichkeit, um von den Erfahrungen von vielen und nicht nur von der Meinung eines einzelnen Sprechers profitieren zu können.

Abgerundet wurde der Tag durch den Vortrag „Transforming managment through agile“ von Steve Denning. Steve Denning hat viele Jahre für die World Bank gearbeitet, ist ausgezeichneter Buchautor und war im Jahre 2000 einer der zehn meist bewundertsten Knowledge Leaders weltweit. Ich muss wirklich sagen, der Mann hat mich beeindruckt. In seiner Session zeigte er die Auswirkungen des traditionellen Managements für eine Firma und seine Mitarbeiter auf und wie diese Denkweise langfristig in den Untergang des Unternehmens endet, weil es mit innovativeren Firmen nicht mehr Schritt halten kann.alm-forum2_value

Seiner Meinung nach, muss sich jedes Management von der traditionellen Zielvorgabe „shareholder value“ zu generieren verabschieden und sich dahingehend entwickeln, die größtmögliche Zufriedenheit seiner Kunden zu erreichen. Und um das zu erreichen, muss ein enormes Umdenken in der Management-Etage der Unternehmen stattfinden.

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Leider hat er meiner Meinung nach viel zu wenig darüber erzählt, wie dieses Umdenken erreicht werden kann. Er gab uns lediglich diese fünf Tipps mit auf den Weg:alm-forum2_value3

Dennoch fand ich die Art und Weise wie Steve Denning vorgetragen hat wirklich herausragend und beeindruckend. Und wenn ich eins von der Session mitgenommen habe, dann war es der Ratschlag „Wenn Du einen Manager überzeugen möchtest, dann musst Du reden wie ein Manager!“

  1. Highlights des zweiten Tages

[0] Wikipedia: Evidenzbasiertes Management